Das Wasser ist mein Element, und die erste allein geplante Reise führte ans Mittelmeer. Griechenland war lange mein Ziel, ich liebe die Inseln bis heute. Zum Glück konnte ich in meinem Leben viel reisen, und das bleibt hoffentlich noch lange so.
Die Reise begann am 25. Februar 2024, meinem 66. Geburtstag. Eigentlich hätte ich bis Ende Februar 2024 arbeiten müssen. Es war eine gute Entscheidung, früher aufzuhören.
Nun also die Ausfahrt vom Hafen Kiel Richtung Norden. Viel Schiffsverkehr zwischen Kattegat und Skagerrak, dicke Tanker, kleine Fischkutter, knallrote Lotsenboote. Ein dickes U-Boot liegt an der Oberfläche wie eine fette Robbe, es will gesehen werden. Dies ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den europäischen Handel, hier verlaufen einige der Kabel und Pipelines, die immer wieder scheinbar zufällig von Schiffen unter russischer oder chinesischer Flagge zerstört werden. Die Ostsee ist keine Idylle, die Nordsee in die wir jetzt einfahren schon gar nicht.
Am 27. Februar in Stavanger, nettes Städtchen mit alten Holzhäusern aus der Zeit des ersten Reichtums: Heringe und Sprotten wurden hier angelandet und zu Konserven verarbeitet. Die Quelle des Reichtums heute ist Energie: Öl, Gas, Windenergie. In Stavanger werden die Plattformen gebaut, die diesen Reichtum ernten.
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Zum berühmten Predigtstuhl (oben) fahren wir mit dem Boot. Wandern ist dort im Winter keine Option, außerdem sehe ich steil abstürzende Felsen lieber von unten als von oben.
Wasserfall im Lysefjord
Das Erlebnis ist nicht ein einzelner Felsen, sondern die Fahrt durch den Lysefjord: Gesteinsformationen wie aus dem Lehrbuch der Erdgeschichte, Wasserfälle, eine tiefe dunkle Stille. Was dort im Sommer los ist, zeigen die einschlägigen Webseiten (und Instagram). Immer wieder kreuzen Fähren unseren Weg, flache große Schiffe die aus der ferne aussehen wie Wasserläufer. Sie verbinden die Ansiedlungen im Fjord, und haben Vorfahrt vor den Touristendampfern.
Die nächste Station ist der Geirangerfjord, dort sind die Berge noch höher. Die Felsen erheben sich 1500 m direkt aus dem Wasser, oben auf dem Kamm sind Dächer sichtbar. Es sind einzelne Höfe, am Ende des Fjords liegt die Ortschaft Geiranger.
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Der Svartisen-Gletscher liegt knapp über dem Polarkreis, er ist mit 370 qkm der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Nach der Fahrt mit dem Zodiac sind es etwa 30 Minuten Fußweg bis zum Gletschersee. Die Luft hat ein besonderes Aroma: metallisch, moosig, schneefeucht. Überall gluckern Bäche, der Boden ist feucht und federt. Die strahlend blaue Gletscherzunge reichte früher bis zum See, aber auch dieser Gletscher schrumpft. Wir sitzen am Ufer in der Sonne zwischen kristallklaren Eisblöcken. Um 13 Uhr verschwindet die Sonne hinter dem Berg, Zeit für Zimtschnecken in der Hütte am See.
Mit dem Zodiac (Schlauchboot) geht es zum Svartisen-Gletscher. Die Eiszunge (unten) ist strahlend blau, der See davor (links) fast schwarz.
Die Lofoten sind eine Kette von Inseln, geformt wie die Mützen kleiner Trolle. Das Wasser ist dunkel, die Mützen braun oder rot, je nach Sonnenstand. Dahinter ist es weiß, wie die Schlagsahne auf den Waffeln, die es hier in fast jedem Café gibt. Die Lofoten sind beliebt bei Touristen, für Stadtbummel, Shopping und Ausflüge. Einige Besucher finden den Weg ins Kriegsmuseum. Auch hier im Norden haben deutsche Soldaten im 2.Weltkrieg furchtbar gehaust. Ganze Orte wurden niedergebrannt, mit allen Vorräten, mitten im Winter. Viele Norweger starben. Heute ist die Bedrohung eine andere. Während unserer Reise findet ein NATO-Manöver statt. Aus gutem Grund.
Sonnenaufgang in Svolvaer, Lofoten (oben). Hier wird Dorsch zu Stockfisch getrocknet (unten), auch ein Aroma-Erlebnis.
3.März: Fast ist der nördlichste Punkt der Reise erreicht.
Der Alta-Fjord führt tief ins Land. Die Kälte ist hier anders, schwer und scharf. Tiefe Atemzüge während der kurzen Aufenthalte an Deck.
Am Ufer des Altafjordes wurden Felsritzungen gefunden, die 2000 bis 6200 Jahre alt sind. Alta war seit der Jungsteinzeit ein Ort, an dem Handel getrieben und Geschichten erzählt wurden. Im Museum wird diese Zeit lebendig, mit Schamanentrommeln und prähistorischen Werkzeugen. Im 20.Jh. wurden große Nephelin-Lager gefunden. Dieses Mineral dient der Härtung von Spezialglas.
In der Nacht tanzen die Trolle über den Bergen und lassen die Röcke fliegen.
Alle Fotos mit iphone, keine Nachbearbeitung
Der Besuch am Nordkap ist obligatorisch, wenn man nach Norwegen reist. Das Schiff ankert in Honnigsvag, wir fahren mit dem Bus zum Kap. Schneegestöber und Nebel, immer wieder Ausblicke. Der Pavillon an der Oberfläche ist ein Shoppingcenter. Im Untergrund erzählt das Museum die Geschichte dieser umkämpften nördlichen Spitze Europas. Murmansk, noch heute Stützpunkt der russischen Flotte, ist nicht weit. Der deutschen Armee gelang es damals nicht, die Nachschubwege der sowjetischen Armee abzuschneiden.
Die schwermütige Stadt Kirkenes ist der letzte Landgang dieser Reise. Im Hafen liegen russische Fischkutter, sie fangen Eismeerkrabben. Deutsche Soldaten zerstörten die Stadt 1944 fast vollständig. Das NATO-Manöver dauert an, wir hören schwere Transportflugzeuge.
Auf dem Weg nach Tromsö werde ich zum ersten Mal richtig seekrank. Von dort geht es zurück nach Hamburg, und ins beschauliche Stralsund.
Als teilte sich das Meer
Und zeigt ein weiteres Meer
Und das ein weiteres – und die drei
Nur eine Ahnung wär’n
Von Meeren Zeit um Zeit
Besucht von keinem Strand –
Ein jedes Rand von künftigem Meer
Sie alle – Ewigkeit
Übersetzung Lola Gruenthal
Emily Dickinson, Guten Morgen Mitternacht, Diogenes Verlag 1997
In Grönland hat sich das Meer geteilt und mir ein weiteres Meer gezeigt. Und den Rand der Ewigkeit, weil alle Meere dort zusammenfließen, im Eis.
Meine Sehnsucht nach dem Meer ist so alt wie ich. Das Mittelmeer war Heimat, für eine Zeit. Die Felsen, die Inseln, der Strand.
In das tropische Meer des Indopazifik bin ich eingetaucht. Ein gefährlicher Zauber, der Mensch gehört nicht in die Unterwasserwelt, auch wenn auf den ersten Blick alles bunt und harmlos erscheint.
Dann kam die Liebe zur kleinen, vermeintlich braven Ostsee – die blau oder türkis sein kann, und manchmal wild. Der Norden und die Eisberge haben mich schon lange fasziniert. Vor dreißig Jahren in Finnland wurde das Gehen auf dem Eis zu einer Passion. Jetzt habe ich den Norden wieder entdeckt.
Im Jahresrückblick berichte ich über die Reisen des vergangenen Jahres. Weiter unten schreibe ich über Hiddensee, wo wir 2023 Weihnachen verbrachten.
Morgens um sieben Abfahrt von Stralsund, der Himmel ist noch dunkel. Mit dem Auto fahren wir über die Rügenbrücke, oben in den Kirchtürmen strahlen lila Herrnhuter Sterne. Allmählich werden die Ränder der Wolken heller, wir fahren in den Nordwesten der Insel. Die Fähre liegt im Hafen, heute früh sind kaum Touristen unterwegs.
In den Gewässern um Indonesien gibt es mehr Artenvielfalt als sonst irgendwo auf der Welt. Wir hatten das Glück, diese Unterwasserwelt entdecken zu dürfen. Demnächst hier und auf Flickr Fotos und Videos unsere Tauchgänge.
Viele Inseln sind nur einen Tagesausflug von Stralsund entfernt. Immer wieder sind wir dort, und halten den Kopf in den Wind. Am Strand gehen ist gut für Körper und Seele, aber auch am Bodden und im Hinterland gibt es viel zu entdecken. Alte Backsteinkirchen und Gutshäuser, verwunschene Schloßparks, die Rosen von Putbus und Kraniche am See.
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